Manchmal sind es offensichtliche, erschütternde Ereignisse. Oft ist es aber etwas Leiseres: wiederkehrende Kränkungen, Vernachlässigung, schmerzhafte Muster in Beziehungen, die sich über lange Zeit eingeschrieben haben. Auch ein Elternteil, das emotional nicht erreichbar war, kann für ein Kind traumatisierend sein. Solche Erfahrungen bleiben oft unbewusst. Der Zusammenhang zur eigenen Geschichte zeigt sich dann nicht direkt, sondern in einem Gefühl von Ohnmacht, Angst, Schuld oder Scham. Oder darin, dass es schwerfällt, sich in Beziehungen wirklich zu binden – oder umgekehrt, dass Angst entsteht, sobald jemand anderes Autonomie einfordert. Erkennbar wird das meist erst im therapeutischen Prozess. Mir ist wichtig, diese tieferen Verbindungen gemeinsam mit meinen Klient:innen aufzuspüren.
In meiner Arbeit verbinde ich das therapeutische Gespräch mit EMDR. Das Gespräch schafft Verständnis, Vertrauen und Sicherheit. EMDR setzt dort an, wo Worte allein oft nicht hinreichen. Die Augenbewegungen, die ich während einer Sitzung anleite, setzen einen inneren Verarbeitungsprozess in Gang. Er wirkt auch auf der Gedankenebene: Überzeugungen über sich selbst und über die Welt können sich verändern, und neue Einsichten entstehen. Zugleich wird zugänglich, was bisher verdrängt oder abgewehrt wurde, weil es zu viel war.
Traumaverarbeitung geschieht in drei Phasen. Zunächst braucht es innere und äußere Sicherheit: Stabilisierung, denn sonst wird aus Verarbeitung bloß Wiedererleben ohne wirkliche Bearbeitung. Manchmal brauchen wir dafür länger – und oft macht genau diese Zeit einen großen Teil der therapeutischen Arbeit aus. Dann folgt die behutsame Konfrontation, die Be- und Verarbeitung der schmerzhaften Ereignisse der Vergangenheit. Schließlich kommt die Integration: der Punkt, an dem Vergangenheit und Gegenwart behutsam miteinander verwoben werden. Das Damals und das Jetzt sind beide da, ohne dass das Damals das Jetzt beherrscht. Man weiß: Es ist mir wirklich passiert, es ist aber vorbei, ich bin heute in Sicherheit und komme zurecht.
Nach einer gelungenen Traumaverarbeitung berichten viele: Ich kann jetzt frei entscheiden, wie ich auf eine Situation reagiere, statt automatisch in alte Muster zu verfallen. Das ist für mich das eigentliche Ziel der Arbeit, die Handlungsfreiheit im eigenen Leben zurückzubekommen.